Joachim Wagner und "Ein Kammerorchester" - 2002 bis 2004

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Joachim Wagner dirigiert "Ein Kammerorchester" (bei einer Aufführung im Refektorium, Prediger - Juli 2003)

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vom "Räuberorchester" zu einem konsolidierten Ensemble

"Ein Kammerorchester" war das erstes Orchester, das ich dirigerte. Es wurde unter dem Namen "Ensemble Rehnenhof" von Christian Maurer im Jahr 1998 gegründet. Der Geiger, Bratscher und Dirigent stammte aus München und lebte für ein paar Jahre in Schwäbisch Gmünd. In München spielte er aushilfsweise bei den Münchner Philharmonikern unter Sergiu Celibidache und vertrat viele der Ansichten des großen Orchestererziehers.

Die Anfangsphase des Orchesters war trotz schöner, ehrgeiziger Projekte aus drei Arbeitsphasen eine sehr instabile Zeit für das Orchester. Gespielt wurden:  zwei Stücke von Mozart und Haydn, eine stark gekürzte abgeänderte Fassung von Händels "Johannespassion", eine in der Besetzung stark reduzierte Fassung des Andante aus Bruckners "Nullter", vier Ochesterstücke nach Orgelwerken von Giulmant und anderes - alles arrangiert von Christian Maurer.

 

Übrigens: Der von Maurer verwendete Ausdruck "Räuberorchester" stammt von Paul Hindemith, der an der Hochschule in einem so benannten Orchester die Studenten alle sechs Wochen die Instrumenten wechseln ließ - Bläser spielten z.B. also ein Streichinstrument usw... DAS war bei uns zwar nicht der Fall, aber dennoch brachte der eigenwillige Musiker Maurer viel fundamental Wichtiges und auch Ungewohntes in die Probenarbeit ein. Schade, dass der frische, innovative Wind für uns nicht allzu lange blies. . . A propos Blasen: In dieser Zeit spielte ich im "Ensembe Rehnenhof" das erste Horn und erledigte viel Organisatorisches.

 

Nach Christian Maurers überraschendem Weggang aus Schwäbisch Gmünd 1999 folgte für das Orchester eine lange probenlose Zeit, bis im Jahr 2001 Klaus Haug als neuer Leiter gewonnen werden konnte. Mit ihm änderte sich das Profil des Klangkörpers, da der professionelle Sänger (Spezialgebiet alte Musik und Tenor des Gesangsquartetts "Cultores sonorum) auch den evangelischen Kirchenchor in Großdeinbach leitete und zumeist Projekte zusammen mit diesem kleinen Chor gestaltete (zu meiner Zeit u.a. die Hirtenmesse von Ryba). Das rein Sinfonische trat dabei ebenso wie Christian Maurers Idee einer dynamischen "Orchestererziehung" mehr in den Hintergund.

 

 

ein dritter Weg

Ab 2002 bestritten Klaus Hauck und ich für 2 Jahre jeweils im Wechsel eine Arbeitsphase (vier bis sechs Monate). Meine Intention war ein neuer dritter Weg:  Einerseits wollte ich die zaghaft begonnene Konsolidierung des Orchesters weiter voranbringen und pragmatisch mit Augenmaß (besser: Ohrenmaß) das Programm zusammenstellen und in seriöser Proben erarbeiten. Andererseits schien mir es sehr wichtig, die Enge der Kirchengemeinde zu verlassen und auch Konzerte in Schwäbisch Gmünd zu geben, um die Bekanntheit des Ensembles (welches nun in "Ein Kammerochester" umbenannt war) zu verbreiten und dadurch neue Musiker zu gewinnen. In der ersten Arbeitsphase waren es letztlich tatsächlich 32(!) Musiker bei der Aufführung - was klanglich und musikalisch einen Quantensprung bedeutete, aber auch Keimzelle für Probleme anderer Art war. Was mir in meiner Anfangszeit noch nicht so bewusst war: Man sollte ein Ensemble über seinen "natürlich gewachsenen" Kern nicht zu sehr hinaus vergrößern...

In den drei Arbeitsphasen, die ich mit dem EKO gestaltete, kamen Werke von Kraus, Schubert, Strauß, Bach, Mozart, Holst und Bartok zur Aufführung (Solisten: Eun-Ah Cho-Nitschke, Cembalo in Bachs Konzert d-moll BWV 1052, und Sabine Beisswenger, (siehe nebenstehendes Foto) Flöte in Bachs Suite Nr.2 h-moll BWV 1067).

 

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Meine Arbeitsphasen mit dem Liebhaberorchester waren wohl nicht weniger ehrgeizig als die Projekte Christian Maurers.

Ich verlor dabei nicht aus dem Auge, was engagierte Amateure auch bewältigen können. Diese vernünftige "Begrenzung" ist ebenso wichtig wie die Vision des zu erreichenden Ziels...

Das Konzert sollte keine Überforderung oder ein Spiel in einer dem Können unangemessenen Liga widerspiegeln. Die letzte Instanz ist und war für mich immer das Hören mit dem Ohr des Publikums!

Auch die drei Konzerte mit dem EKO und mir als Dirigenten sind auf CD festgehalten. Es mag aufschlussreich es sein, diese Aufführungen mit den Konzerten der OVS zu vergleichen, die mit Reperoire-Überschneidungen in zeitlicher Nähe stattfanden. Allerdings sprechen die klanglichen Aspekte eindeutig für die Schorndorfer Aufnahmen - was sowohl an den glücklicher gewählten Aufführungsorten liegen mag als auch an der doch etwas größeren Orchester-Besetzung der "OrchesterVereinigung Schorndorf"...

Das bedeutet keinerlei Abwertung von Ein Kammerorchester", sondern zeigt nur auf, dass die klangliche Attraktivität eines ganz und gar reinen Amateurensemble durchaus auch von der Anzahl der Mitspieler abhängt. 

 

 

Rezension zu meinem Debutkonzert mit "Ein Kammerorchester" vom Juli 2002
Der Weg des EKO an die "städtische Öffentlichkeit" stieß auf positive Resonanz. Die nebenstehende Besprechung trifft meine Intentionen und die Unwägbarkeiten des "Echtzeiterlebnisses Konzert".
EKO-2002-07-09-w.pdf
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