CHICAGO SYMPHONY ORCHESTRA

 

Das Chicago Symphony Orchestra - kurz CSO genannt - ist eines der großen klassischen Sinfonieorchester der Welt. Der Wandel von einem regional bedeutenden Orchester zu einem Klangkörper, der gegenüber anderen bedeutenden Orchestern nicht zurücksteht, vollzog sich im Grunde schon in den Zwanziger Jahren unter der Leitung des zweiten Chefdirigenten des CSO, Frederick Stock.

 

Europa nahm das CSO bewusst erst seit den ersten Europatourneen des Orchesters anfang der 70ziger unter dem Dirigenten Sir Georg Solti wahr. Das Wissen um die herausragenden Leistungen unter dem Dirgenten Fritz Reiner kamen bei der breiteren Musik liebenden Öffentlichkeit erst im CD-Zeitalter an, da LP-Veröffentlichungen zuvor entweder nicht gut klangen (leider besonders viele Deutsche Überspielungen) bzw. die amerikanischen Pressungen hierzulande kaum zu bekommen waren - und wenn, dann zu sehr hohen Import-Preisen.

 

 

Aspekte und subjektive Wahrnehmung zur Geschichte des CSO und zu dessen Dirigenten

 

Es war durchaus Soltis Verdienst, dieses Orchester weltweit bekannt gemacht zu haben. Er war aber nicht - wie es oft zu lesen war - derjenige, der das CSO zu dem gemacht hat, was es über viele Jahrzehnte lang war und in gewisser Weise auch heute noch ist. Solti erntete im Orchestralen die Früchte seiner Vorgänger - hauptsächlich Stock und Reiner - und war Nutznießer einer glückvollen personellen Entwicklung des Orchesters, die sich in den späten 30igern bei den Streichern angebahnt hatte, in den vierzigern im Blech und teilweise Holz eine weitere Fortsetzung fand und durch Reiners rigorose, aber auch musikalisch weise und im nachhinein vertretbare "hire and fire"-Politik ab Mitte der 50ziger auch im restlichen Holzbläser-Satz genialer Spieler die vervollständigende Erfüllung fand.  

 

Alle weiteren Dirigenten nach Stock, Defauw, Rodzinski, Kubelik und Reiner gaben natürlich mehr oder weniger neue Impulse - Martinon für die neuere Musik, Struktur und eine gewisse  Intellektualität, Solti mit seiner ihm eigenen Körperlichkeit (was damals gut zu der Lust des Orchesters am großen Klang passte), Guilini (ständiger Gastdirigent) mit seinem Klangsinn, Barenboim mit "neuen Romantik" (hie und da auch etwas unausgegoren), Ozawa mit ein paar sehr guten Platten und Previn und Abbado mit sehr guter Disposition und Gespür für die Stärken des Ensembles. Boulez ist ein Sonderfall, der leider bei seinen CSO-Aufnahmen nicht immer von der Aufnahmetechnik begüstigt wurde. Da sein Ansatz des Musizierens jeder "Interpretation" abhold ist, bedürften seine Einspielungen eigentlich einer besonders sensiblen Aufnahmetechnik. Das blieb leider ein Wunschtraum ...

 

Die nachfolgenden Chefdirigenten - Barenboims "zweite Liebe", Bernhard Haitink und Riccardo Muti - konnten nicht immer "mit dem Orchester mithalten". Ich meine damit: Sie haben es nicht mehr so oft geschafft, das CSO bis an die Grenzen und darüber hinaus heraus zu fordern. Das war bei den älteren Gastdirigenten oft spannender - und derer gab es natürlich viele, von denen auch einiges als Live-Konzerte erhalten ist: von Ernest Ansermet bis Bruno Walter. Zum Thema Live-Mitschnitte mehr auf der entsprechenden Unterseite.

 

 

CSO Schallplattenproduktionen und der aktuelle Stand der Wiederveröffentlichungen

 

Zum Glück sind die Aufnahmen mit Fritz Reiner (und auch die von Jean Martinon und ab Januar 2016 auch Morton Gould) mit dem CSO die letzte Zeit in vorbildlicher Weise in CD-Boxen veröffentlicht worden. Das auch Reiners Nachfolger Jean Martinon für die RCA Aufnahmen mit dem CSO gemacht hat, welche großteils zu den erfüllendsten Schallplatten-Produktionen überhaupt zu zählen sind, wird sich mithilfe der 10 CD Box irgendwann herumgesprochen haben.

 

Noch nicht ordentlich bzw. nur verstreut ediert sind die RCA-Aufnahmen mit Leopold Stokowski und Seiji Ozawa, die zwei Columbia-Platten mit Igor Strawinsky und Robert Craft. Die Carlo Maria Giulini Einspielungen bedürften dringend eines neuen Remasterings (sowohl die EMI als auch die DG), ebenso die zwei Andre Previn EMI Produktionen der 4ten und 5ten Schostakwitsch, die einigen frühen Daniel Barenboim (z.T. viel besser - wenn auch klanglich oft problematisch - als die späteren Produktionen für Erato und Teldec!) DG Abbado und die RCA mit James Levine (Brahms und Mahler).

 

 

Von mir erstellte private "Back-up" CD-Transfers von wichtigen Schallplattenproduktionen 

 

Dass das CSO schon zu Zeiten von Reiners Vorgänger Rafael Kubelik zum Ausnahmeorchester heran gereift ist, wird selbst heute noch kaum realisiert. Leider sind immer noch nur ein Teil der wenigen großartigen Mercury Schallplatten (in Mono mit einem einzigen Mikrophon aufgenommen!) offiziell auf CD veröffentlicht - und auch das nicht ganz optimal. An diesem Punkt kann ich für den Connaisseur und Interessierten zumindest ergänzend mit privaten "Backup" CD-Transfers Abhilfe schaffen.

 

Im Gegensatz zu manchen anderen derartigen Versuchen oder Angeboten orientiere ich mich dabei möglichst genau am originalen Klangbild (ohne Ambient Sound, radikale Rauschunterdrückung oder ähnliches) und achte zudem auf eine liebevolle Präsentation, wie es mittlerweile auch große Labels bei Wiederveröffentlichung älterer Aufnahmen tun. Dazu gehören:

 

- Verwendung der originalen LP-Covers

- Abdruck der originalen Begleittexte der Schallplatten

- Präsentation der originalen Schallplatten-Labelaufdrucke auf der CD selbst 

- Veröffentlichung in der originalen Werke-Zusammenstellung

 

Auch wenn meine Remasterings und CD-Transfers von Tonband, DAT-Band, Schallplatte und CD durch die mir nur zur Verfügung stehende Verwendung von Consumer-Formaten nicht die den originalen Masterbänder bzw. Schellack-Matrizen eigene Qualität erreichen kann, so strebe ich doch danach, den bestmöglichen Klang anhand der greifbaren Quellen zu erzielen. natürlich kann und möchte ich nicht die Arbeit der Labels RCA, Columbia oder Mercury ersetzen - aber solange diese "ihren Job" bezüglich VÖs solcher wichtigen klassichen Musikproduktionen nicht tun, sorge ich mit meinen Transfers für eine gewissenhafte, klanglich akzeptable und optisch ansprechende Überbrückung dieser Lücke. 

 

Zudem werde ich sukzessive einige unveröffentlichte Live-Aufführungen des CSO auf CD herausbringen.