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MIKROFONE HÖREN ANDERS! - zur Umsetzung akustischer Phämonene auf CD

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die Installation "Beethovens Hörrohr"

Die provokante Behauptung MIKROFONE HÖREN ANDERS sollte man noch mit einem "... DENN IHNEN FEHLT EIN VERARBEITENDES GEHIRN" ergänzen. Eine Erläuterung dazu und zur Umsetzung von Live-Musik auf CD:

 

Das menschliche Ohr (oder genauer: das GEHIRN des Hörers!) hat die Fähigkeit, ein akustische Live-Erlebnis (und ALLES Gehörte ist  für das Ohr ein Live-Erlebnis!) zu analysieren, zu filtern und zu selektieren. Das bezieht sich sowohl auf kognitive Informationsgehalte, als auch das Verfolgen klanglicher Phänomene und das Hören von Klangfarben.

 

Dazu ein einfaches und jedem bekanntes Beispiel: Aus einer ungefähr gleichlaut durcheinander sprechenden Menschenmenge können Sie (mit Konzentration!) eine Person akustisch „isolieren“ und verstehen, was diese sagt. Dazu macht sich Ihr Gehirn am individuellen Klang und Spracheigenarten der Stimme dieser speziellen Person, dem exakten Ort der Klangquelle (Augenhilfe!) und auch am Sinn des schon verstandenen Textes in einem ergänzenden Vorgang fest - und ermöglicht so das Ausblenden aller Schallquellen, die nicht lauter als diese Stimme sind (also die physikalischen Möglichkeiten des Ohrs nicht sprengen).

 

Als Fernsehzuschauer einer undisziplinierten Diskussionsrunde (der oben beschriebenen Situation ähnlich) ist Ihnen dieses "selektive Hören" aber unmöglich, denn das Ohr bzw. Gehirn hat hier als Primärquelle nur ein elektronisch übertragenes, also TRANSFORMIERTES Klangerlebnis - wiedergegeben von EINER Schallquelle, eben dem Lautsprecher des Fernsehers. Zudem geben die solche Diskussionen aufzeichnenden Mikrofone ohne Manipulation "unzensiert" keinem Redner in dem erhitzten Durcheinander eine Priorität.

 

Die Kunst am Mischpult ist, mittels Manipulation Künstliches als natürlich erscheinen zu lassen

Toningenieur Kenneth Wilkinson bei einer Opernproduktion für DECCA

Bei einer LIVE-Konzertübertragung im Rundfunk sitzt im Kontrollraum ein Tonmeister, der (anhand von Ohr und Partitur) bei einer Orchesteraufnahme das eine oder andere Instrument zur besseren Durchhörbarkeit anhebt oder absenkt.

 

Es mag paradox klingen, trifft es aber in knappen Worten exakt:

 

Übertragungen oder Aufnahmen von Musik bedürfen einer künstlichen Manipulation, welche der Hörer am Lautsprecher dann erst als natürlich unverfälschtes Klangbild empfindet!

 

Natürlich gibt es Ausnahmen wie die mono "Ein-Mikrofon-Aufnahmen" von Mercury (Living Presence) oder von Westminster, ebenso die ganz frühen Zwei-Mikrofon-Stereo-Aufnahmen (Living Stereo 1954-56) der RCA. Entscheidende Grundbedingung für ein rundum befriedigendes Ergebnis ist dabei neben einem Ensemble mit perfekter natürlicher Klangbalance und tonlich starken Solisten ein akustisch ausgezeichneter Raum zum Aufnehmen!

 

Im "Normalfall" klingt eine Orchesteraufnahme ohne die "unterstützenden" Ohren des Tontechnikers als fader undifferenzierter Einheitsbrei ohne Farbigkeit...

 

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Bei Solo-Klavieraufnahmen ist ein zeitweises Anheben oder Absenken von Lautstärken über Reglern nicht sinnvoll, weil es nur die eine Klangquelle (eben das Klavier) gibt und der Pianist ja selbst die volle Kontrolle über die Balance hat. Hier betreffen die vorgenommenen "Manipulationen" die Mikro-Positionierung und das Mischungsverhältnis von direktem und indirektem Klang.

 

JAW-RECORDS 4-Mikrofon-Aufnahmen sind näher beschrieben hier bei MICHAEL NUBER CDs auf der Unterseite THEMA: KLAVIER UND AUFNAHME im Abschnitt MIKROFONPOSITIONIERUNG

 

 

 


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