Wissenswertes rund ums Klavier und das Aufnehmen von Klaviermusik

Instrument Klang Raum - Besonderheiten und Hindernisse

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Auf DIESEM Instrument wurde keine CD für JAW-RECORDS aufgenommen . . . ;-)

 

Das Gelingen einer Aufnahme mit Klaviermusik hängt von einer Unzahl von Faktoren ab. Da ein Pianist nicht sein eigenes Instrument "zum Konzert mitbringt", muss dieser bei der Wahl seines Konzertprogramms das zur Verfügung stehende Instrument und die Akustik des Konzertraums mit berücksichtigen. In beiden Punkten ist er manchmal gewissen Einschränkungen unterworfen. Von diesen Besonderheiten handelt folgender Text.

 

Vieles davon gilt natürlich nicht für den eher kleinen Kreis der Pianisten, die mittels Medien und Sponsorentum in der Weltspitze angekommen sind und sich Instrumente (und sogar Räumlichkeiten) frei wählen oder gar wie Vladimir Horowitz mit dem eigenen Flügel reisen können. Der "normale" Pianist hat jedoch meist mit einer Reihe von Widrigkeiten zu kämpfen.

 

 

DAS INSTRUMENT

 

Klangcharakteristische Eigenheiten, Schwächen und Zustand des Instrument. Jedes Instrument hat Stärken und Schwächen für die klangliche Realisierung dieser oder jener Stücke. Manche scheinen "laut" zu klingen, haben aber keinen tragfähigen langen Ton. Andere Flügel "singen" sehr schön und fein, haben aber schwache oder sehr helle Bässe. Auch die "Register" (Bass Mittellage Diskant) können unausgewogen klingen und der Flügel sogar nur in einem eingeschränkten Tonbereich verwendbar sein. Eine Mechanik lässt schnelle Läufe und Tonrepetitionen zu, eine andere erlaubt nur gemäßigte Tempi.

Ebenso beeinträchtigt eine schlechte Dämpfung der Saiten (das Abstoppen des Klangs bzw. das Verhindern von mitklingenden Saiten) das Spiel, wenn z.B. einzelne Töne noch Nachklingen. Ebenso stört und irritiert das Quietschen mechanischer Teile - z.B. der Pedale.

Michael Nubers Hände

Auch einwandfreie Instrumente älterer Bauart haben einen stark individuellen Klang und diesen "Charakter" des Flügels gilt es bei der Auswahl der Stücke fürs Konzert mit zu berücksichtigen.

Ein Flügel, auf dem Mozart oder Beethoven wunderbar klingen, muss nicht für die h-moll Sonate von Liszt geeignet sein. Ein Nocturne von Chopin braucht eine andere Klanglichkeit als dessen g-moll Ballade. Und umgekehrt kann auf einem Instrument mit riesiger Dynamik (für "Sinfonisches" wunderbar geeignet) eine Sonate von Scarlatti stumpf, "weiß" oder farblos undifferenziert nichtssagend klingen.

Anmerkung: Der Instrumentenbau tendiert leider immer mehr zur Erzeugung eines "Einheitsklangs", der (mehr oder weniger gelungen) die Ausgewogenheit des modernen Steinway imitiert... 

 

Weitere Beeinträchtigungen kann das Wetter bereithalten. Die Witterung hat einen großen Einfluss auf den Klang des Instruments. Besonders ungünstig ist lang anhaltende hohe Luftfeuchtigkeit, da diese in die Hammerfilze einzieht, sie weicher macht und den Ton dadurch stumpf werden lässt. Hohe Obertöne werden beim Anschlag durch die größere Kontaktfläche des Hammers mit der Saite schon "abgetötet", bevor sie klingen können. Ebenso kann die Mechanik träge und ungenau reagieren oder die Tasten können klemmen.



vor einem Konzert im Refektorium im Kloster Lorch

 

KLAVIERSTIMMUNG UND INTONATION

 

Wenn der Instrumentalist (Streicher, Bläser und auch Sänger) von "guter Intonation" spricht, dann meint er damit ein sauberes Spiel exakt auf der richtigen Tonhöhe. Der Pianist oder der Klavierstimmer versteht unter Intonierung die Art und Weise, wie die Anschlagsfilze der Hämmer präpariert sind (härter oder weicher), ob das Spielgefühl gleichmäßig ist und wie die Auslöse der Hämmer und die Gewichtung der Tasten justiert sind.

 

Auch bei der Stimmung selbst (also die Justierung der exakten Tonhöhe) gibt es verschiedene Ansätze (z.B. angehobene Höhen und abgesenkte Bässe) nach persönlichem Geschmack des Stimmers, je nach "Schule". Bei älterer Musik kann auch der Einsatz anderer Stimmungsmodelle - wie z.B. Mischformen aus temperierter und reiner Stimmung - sinnvoll sein...

 

Aber die Realität / Praxis weicht doch oft sehr vom beschriebenen Ideal ab:  Ein Pianist kann u.U. schon froh sein, wenn bezüglich der Vorbereitung des Klaviers durch den Klavierstimmer die Oktaven nicht "detonieren" oder einzelne Töne in mechanischer Anspache, Lautstärke und Klangfarbe nicht unangenehm auffallen. Denn diese Unwägbarkeiten und Unebenheiten des Spiels und Klangs müssen beim musikalischen Vortrag zu allem anderen "nebenbei" vom Spieler noch "mitberechnet" und einzeln im Anschlag ausgeglichen werden - was alles Kraft, Energie und Konzentation kostet und ein freies gelöstes Spiel erschwert oder gar vereitelt ...

Randbemerkung:  GELD kostet selbstverständlich sowohl eine gute als auch eine weniger gute Stimmung!

 

mit dem Cellisten Kalman Dobos beim Proben in der BRÜCKE

DER KONZERTRAUM

 

Die Wechselwirkungen von Instrument und Konzertraum sind ebenfalls entscheidend - wenn auch für eine Aufnahme wegen vielfältiger Möglichkeiten der Positionierung der Mikrofone nicht ganz so gravierend wie für das Konzertpublikum.

Klanglich "kleine" Instrumente in großen Konzerträumen sind für groß dimensionierte Stücke unpassend. Sehr polyphone und schnelle Musik in einem halligen Raum ist für den Hörer nicht gut erfassbar.

Auch bedenkenswert ist die stark veränderte Saalakustik ohne und mit Publikum.

 

Besonders unvorteilhaft ist für Aufnahmen ein Raum ohne akustische "Blume", also ohne ein angenehmes luftig leichtes Verklingen der Töne. Solch eine Blume zieren leider nur sehr wenige Aufnahmelokalitäten ...

 

 

DIE MIKROPHON-POSITIONIERUNG

 

Die Klavieraufnahmen von JAW-Records sind fast ausschließlich 4-Mikrofonaufnahmen. Zwei Mikros sind für den direkten Klang eher nahe an der Schallquelle positioniert, die anderen beiden etwas weiter weg für die Fülle des Bassbereichs und für das Hinzufügen von natürlich gegebenem Raumklang.

 

Bei klanglich kleiner dimensionierten Stücken (z.B. die meisten "Clavier"-Kompositionen bis zu Beethoven) "wächst" das Ohr der Zuhörer quasi "in das Instrument hinein" - was bei der Tonaufzeichnung durch einen tendenziell kürzeren Abstand zum Klavier und den Einsatz von weniger Raumklang unterstützt wird.

 

Klanglich "Sinfonisches" (z.B. manches von Brahms, Liszt oder Skjabin) wird vom Hörer mehr als aus der Tiefe des Raums kommend empfunden und fordert bei der Aufnahme eine stärkere Miteinbeziehung der Saalakustik. Durch einen höheren Anteil an Raumklang auf der Aufnahme wird die oft immense Spanne an Lautstärke vom zartesten Pianissimo bis zu äußersten Fortissimo für das Wohnzimmer zuhause "erträglich" - und das auch ohne den Einsatz einer komprimierenden Lautstärkeangleichung beim Mastering der CD.

 

Leider ist auch DAS wieder mal ein IDEAL. In der Praxis gibt die Akustik der Aufnahmelokalität oftmals halt "nichts her": Entweder wortwörtlich, weil sie "strohtrocken" klingt - oder weil sie zu sehr "hallt", was ohne ein Zurücknehmen der Raummikrofone die Aufnahme "versuppen" lassen würde. Hier ist nun der "Tonmeister" in seiner ganzen Kreativität und Kompromissbereitschaft gefordert...

 

Mehr zum Thema "Hören - Mikrofone" und "Live-Konzert - CD" finden Sie hier bei JAW-RECORDS auf der Unterseite MIKROFONE HÖREN ANDERS!

 

 

DIE "HEIMARBEIT" (MASTERING DER AUFNAHME ZUR CD)

 

Die Abmischung des Lautstärke-Verhältnisses der beiden Mikro-Paare zueinander erfolgt erst beim Mastern einer Aufnahme - also wenn eine CD entsteht. Eine Bachfuge braucht da wesentlich mehr direkten Klang als ein großes "klavier-sinfonisches" Werk von Liszt.

 

Ein anderer Punkt ist das Minimieren von konstruktiven Interferenzen mit Hilfe des Equalizers - also das Absenken einzelner Frequenzen, die zu laut hervortreten (Überlagerungen). Dieser Effekt kann bereits dem Instrument innewohnen oder / und durch akustische Eigenschaften des Aufnahmeraums auftreten. Zu stark abgebildete Fequenzbereiche lassen das Klangergebnis dumpf, unklar oder grell erscheinen und verunklaren die räumliche Abbildung.

Leider ist eine Angleichung nur begrenzt möglich, da dem Instrument nicht die individuelle Klangcharakteristik genommen werden soll. Erschreckend viele Klavieraufnahmen haben im mittleren Frequenzbereich keinen oder einen viel zu schwachen Körper, was einen unnatürlichen Klavierklang ergibt, welcher nichts mit dem realen Klanggeschehen zu tun hat. Leider ist dieser "Kunstklang" mittlerweile zum "Hörstandard" geworden.

 

Eine ganz individuelle und heikle Frage ist auch die des Einsatzes von Lautstärkeangleichung (Absenkung in Spitzenlaustärken und somit eine etwas erhöhte Grundlautstärke in leisen Passagen). Einerseits soll nichts "verkleinert", flach oder eingeebnet klingen - andererseits sollte die Dynamik-Bandbreite dem häuslichen Wohnzimmer angepasst sein. Eine Aufnahme, die Sie dauernd zwingt, den Lautstärkeregler zu bedienen (mal zu leise, dann wieder viel zu laut), gestattet Ihnen kein entspanntes Hörvergnügen... Diese Komprimierung wird bei JAW-Records nur selten - und wenn, dann sehr maßvoll - eingesetzt.

 

Karfreitag: "Passionslesung mit Musik" - mit Pfarrer Sigel in der BRÜCKE

DIE BRÜCKE UND IHR FLÜGEL

 

Die größte Teil der von Michael Nuber veröffentlichten CDs sind in dem aktuell (März 2013) von der Auflösung und dem Abriss bedrohten evangelischen Gemeindezentrum Brücke in der Weststadt von Schwäbisch Gmünd aufgenommen.

 

Der Raum ist bestimmt nicht optimal für Tonaufnahmen geeignet, aber die jahrelange Erfahrung mit der Lokalität zeitigt doch ganz ordentliche Aufnahmen mit einer eher trockenen Präsenz und sehr hoher Klangdichte.

 

Der Flügel "Feurich 230" hat seine Meriten. Er ist in seiner Farbigkeit (wenn gut intontiert!) und seiner erstaunlichen klanglichen Stabilität für viele Werke passabel bis wirklich gut geeignet. Barockmusik ist auf ihm ebenso umsetzbar wie Beethoven, Chopin, Debussy oder Skjabin.

 

Andere Aufzeichnungen sind u.a. im Prediger, (Schwäbisch Gmünd), in der Musikschule Schwäbisch Gmünd, der Musikschule der Stadt Aalen, dem Refektorium des Kloster Lorch oder bei Klavier-Wagner in Eschach entstanden.

 

 



 

 

 

 

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